18. Juni 20267 Min.

    Schilddrüse und Nebenniere: Warum du müde bist, obwohl deine Blutwerte normal sind

    Müde trotz normaler Blutwerte? Wie Schilddrüse und Nebennieren zusammenarbeiten, woran du eine Erschöpfung erkennst und was ihnen wieder auf die Beine hilft.

    Schilddrüse und Nebennieren arbeiten als Team: Die Nebennieren liefern den Brennstoff, die Schilddrüse den Funken, der ihn entzündet. Lässt eine der beiden nach, fehlt dir Energie. Typische Folgen sind anhaltende Müdigkeit, Frieren, niedriger Blutdruck, Heißhunger auf Süßes und eine gedrückte Stimmung. Das Tückische: Die Blutwerte können dabei völlig normal aussehen. Denn entscheidend ist nicht, wie viel Hormon im Blut ist, sondern wie gut es in der Zelle wirkt.

    Wie Schilddrüse und Nebennieren zusammenhängen

    Beide Drüsen gehören zum Stresssystem deines Körpers. Die Nebennieren heben bei Belastung den Blutzucker an und stellen so den Brennstoff bereit. Die Schilddrüse wird bei Stress ebenfalls aktiviert und sorgt dafür, dass dieser Brennstoff in den Zellen verbrannt wird. Ihre Hauptaufgabe ist, das Tempo deines Stoffwechsels zu bestimmen.

    Dr. Paul Eck hat das mit einem Motor verglichen: Die Nebennieren liefern das Benzin, die Schilddrüse den Zündfunken. Für echte Vitalität braucht es beides in der richtigen Menge.

    Die Nebennieren bestehen aus zwei Teilen. Das Mark bildet Adrenalin und Noradrenalin für die schnelle Stressreaktion. Die Rinde bildet aus Cholesterin über die Vorstufe Pregnenolon unter anderem diese Hormone:

    • •Cortisol hebt den Blutzucker, hemmt Entzündungen und wirkt langsamer und länger als Adrenalin.
    • •Aldosteron sorgt dafür, dass die Nieren Natrium zurückhalten.
    • •DHEA gilt als eine Art Grundstock der Nebennieren. DHEA und Cortisol werden immer zusammen betrachtet, weil sie sich meist gegenläufig bewegen.

    Die beiden Drüsen teilen sich sogar einen Baustein. Aus der Aminosäure Tyrosin entsteht zum einen Adrenalin, zum anderen zusammen mit Jod das Schilddrüsenhormon. Fehlt Tyrosin, weil zu wenig Eiweiß ankommt, leidet einer der beiden Wege.

    Deshalb ist es selten nur eine der beiden Drüsen. Sind die Nebennieren über lange Zeit erschöpft, wird meist auch die Schilddrüse langsamer. Zusammen ergibt das einen langsamen Stoffwechsel. Wie das genau aussieht, habe ich in Langsamer Stoffwechsel: Symptome, Ursachen und wie er wieder in Schwung kommt beschrieben.

    Nebennierenschwäche: Was damit gemeint ist

    Mit Nebennierenschwäche, Nebennierenerschöpfung oder englisch Adrenal Fatigue ist hier eine funktionelle Erschöpfung gemeint: Die Nebennieren können auf Belastung nicht mehr so kräftig antworten wie früher. Sie entsteht meist über Jahre durch Dauerstress. Schulmedizinisch ist das aktuell leider immer noch keine eigene Diagnose.

    Davon zu unterscheiden ist Morbus Addison. Das ist eine ernste Erkrankung, bei der die Nebennieren kaum noch Hormone bilden. Sie gehört in ärztliche Behandlung.

    Fachlich lässt sich der Verlauf an den Nebennierenhormonen in vier Stufen beschreiben:

    1. DHEA sinkt, Cortisol steigt. Der Körper versucht gegenzusteuern.
    2. DHEA bleibt niedrig, Cortisol pendelt sich wieder in den Normbereich ein. Im Blut sieht dann vieles unauffällig aus.
    3. DHEA und Cortisol sind beide zu niedrig. Adrenalin springt ein und schwankt stark.
    4. Auch Adrenalin ist erschöpft. Das entspricht dem Burnout.

    Oft verschiebt sich dabei auch der Tagesrhythmus. Normalerweise ist Cortisol morgens hoch und abends niedrig. Bei manchen ist es umgekehrt: Sie kommen morgens kaum aus dem Bett und können abends nicht einschlafen.

    Wie Stress den Körper Schritt für Schritt in die Erschöpfung führt, erkläre ich außerdem in Stress messen: Kann man chronischen Stress im Körper sehen?

    Symptome: Woran du eine Erschöpfung erkennst

    Wenn die Nebennieren erschöpft sind:

    • •Müdigkeit, die auch nach mehreren erholsamen Tagen nicht weggeht
    • •Niedriger Blutdruck, manchmal Schwindel beim Aufstehen
    • •Unterzucker und Heißhunger auf Süßes
    • •Schmerzen ohne klaren Grund und häufige Infekte
    • •Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung, Reizbarkeit, wenig Selbstvertrauen

    Wenn die Schilddrüsenhormone in den Zellen zu wenig ankommen:

    • •Frieren, kalte Hände und Füße
    • •Trockene Haut und Haare
    • •Verstopfung
    • •Gewichtszunahme
    • •Gehirnnebel und Erschöpfung

    Ein wichtiger Unterschied: Normale Müdigkeit verschwindet mit ein paar Tagen Urlaub und viel Ruhe. Eine echte Erschöpfung nicht. Die Beschwerden werden im Urlaub vielleicht etwas besser, kommen danach aber zurück.

    Viele Betroffene halten sich mit Stimulanzien über Wasser, etwa mit Kaffee, Energy Drinks oder Dauerstress. Ohne diesen Antrieb würden sie am liebsten den ganzen Tag schlafen.

    Schilddrüsenunterfunktion trotz normaler Werte

    Viele kennen das: Du fühlst dich wie bei einer Unterfunktion, aber TSH und Schilddrüsenhormone sind im Normbereich. Dafür gibt es mehrere Gründe.

    Das Blut muss stabil bleiben. Es ist das Transportsystem deines Körpers und wird so lange wie möglich im Gleichgewicht gehalten. Deshalb können die Blutwerte normal sein, während das Gewebe schon erschöpft ist.

    Hormon im Blut ist nicht gleich Wirkung in der Zelle. Ein Bluttest zeigt, wie viel Hormon gerade zirkuliert. Er zeigt nicht, wie gut es in die Zelle gelangt und dort wirkt. Sind die Zellwände zu dicht, etwa weil viel Calcium im Gewebe eingelagert ist, kommt weniger an.

    Die Umwandlung kann stocken. Die Schilddrüse bildet vor allem T4, die Speicherform. Wirksam wird es erst, wenn der Körper es in T3 umwandelt. Dafür braucht er Selen. Fehlt es, kann T4 normal sein und T3 trotzdem niedrig bleiben.

    Cortisol schwankt stark. Bei den Nebennieren ist es ähnlich. Cortisol ändert sich mit Tageszeit, Zyklus, Stress und sogar dem Frühstück. Ein einzelner Blutwert ist deshalb nur eine Momentaufnahme. Und in der zweiten Stufe der Erschöpfung ist Cortisol im Blut sogar wieder normal, obwohl DHEA schon niedrig ist.

    Was Schilddrüse und Nebennieren erschöpft

    Meist kommen mehrere Dinge zusammen:

    • •Dauerstress, körperlich wie mental, ohne echte Erholung
    • •Stimulanzien wie Kaffee, Koffein und Energy Drinks, die die Drüsen immer wieder antreiben
    • •Zu wenig Schlaf und Ruhe
    • •Fehlende Grundstoffe: Für ihre Hormone braucht die Schilddrüse unter anderem Jod, Selen, Eisen, Mangan und Eiweiß
    • •Belastende Metalle wie Quecksilber oder ein Zuviel an Kupfer, die an die Stelle der nötigen Mineralien treten können. Mehr dazu in Kupferüberschuss und Kupfertoxizität
    • •Jod-Gegenspieler wie Fluorid und Bromid, die Jod verdrängen. Mehr dazu in Kelp und Jod
    • •Harter Sport, Fasten und Eisbaden, die einen erschöpften Körper zusätzlich fordern

    Was die Haarmineralanalyse zeigt

    Die Haarmineralanalyse misst nicht die Hormone selbst, sondern wie die Zellen auf sie antworten. Und das über einen längeren Zeitraum statt als Momentaufnahme.

    Zwei Verhältnisse sind dabei besonders wichtig:

    • •Calcium zu Kalium zeigt, wie stark die Schilddrüsenhormone in der Zelle wirken. Calcium macht die Zellwände dichter, Kalium macht die Zellen für das Hormon empfänglicher. Ist Calcium im Verhältnis hoch, kommt in der Zelle wenig Schilddrüsenwirkung an.
    • •Natrium zu Magnesium zeigt, wie aktiv die Nebennieren arbeiten. Ist es niedrig, sind die Nebennieren eher erschöpft.

    Hinter den Mineralien stecken die Hormone: Der Natriumwert spiegelt grob die Wirkung von Aldosteron, der Kaliumwert grob die von Cortisol.

    Dazu kommen weitere Muster, die auf eine Erschöpfung hindeuten, etwa ein langsamer Stoffwechsel oder das Four-Lows-Muster.

    Was Schilddrüse und Nebennieren wieder auf die Beine hilft

    Der wichtigste Grundsatz: Man stärkt nicht eine einzelne Drüse, sondern bringt den ganzen Körper ins Gleichgewicht. Dann finden auch Schilddrüse und Nebennieren nach und nach zurück.

    Grundstoffe: Die Schilddrüse braucht Jod, Selen, Eisen und genug Eiweiß als Lieferant für Tyrosin. Kelp ist dabei eine natürliche Jodquelle und liefert viele weitere Spurenelemente. Gerade bei Eisen und Jod ist es wichtig, nicht auf Verdacht zu ergänzen.

    Mineralien im richtigen Verhältnis: In deinem Mineral-Balancing-Plan stimme ich ab, welche Mineralien und Nährstoffe du brauchst, damit sich Calcium, Kalium, Natrium und Magnesium wieder einpendeln.

    Ruhe: Viel Schlaf und echte Pausen sind keine Nebensache, sondern die Grundlage. Ein erschöpfter Körper braucht Erholung, bevor er wieder Leistung bringen kann.

    Schonende Bewegung: Spazierengehen statt harter Trainingseinheiten.

    Fasten und Kälte mit Bedacht: Fasten, Eisbaden und kaltes Duschen fühlen sich oft gut an. Der Grund: Sie setzen den Körper unter Stress, er schüttet Cortisol aus und du fühlst dich wach und klar. Für erschöpfte Nebennieren ist genau das zu viel. Warum das so ist und wie du Fasten trotzdem gesund einsetzen kannst, erkläre ich in meinem kostenlosen Kurs.

    Stimulanzien reduzieren: Kaffee und Energy Drinks verdecken die Müdigkeit nur. Je weniger du auf sie angewiesen bist, desto besser können sich die Drüsen erholen.

    Saunieren: Eine Infrarotsauna kann die Erholung unterstützen.

    Geduld: Bis Schilddrüse und Nebennieren wieder im Gleichgewicht sind, kann es ein Jahr oder länger dauern. Viele merken aber schon vorher, dass die Energie zurückkommt.

    Wichtig: Nimmst du Schilddrüsenhormone, setze sie nie eigenmächtig ab. Das besprichst du immer mit deinem Arzt.

    Du bist müde, obwohl deine Blutwerte normal sind? In der kostenlosen Ursachenanalyse schauen wir uns gemeinsam deine Beschwerden an und ob eine Haarmineralanalyse für dich Sinn ergibt.

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    Mehr zur Methode: Haarmineralanalyse: Was du herausfinden kannst

    Quellen

    1. 1.Wilson L: Nutritional Balancing and Hair Mineral Analysis.
    2. 2.Chatsworth C, Chatsworth L: Energy. Healthview, mit Beiträgen von Dr. Paul Eck.
    3. 3.Eck PC, Wilson L (1990): Adrenal Insufficiency. Eck Institute of Applied Nutrition and Bioenergetics.
    4. 4.Selye H (1978): The Stress of Life.
    5. 5.Köhrle J (2023): Selenium, Iodine and Iron: Essential Trace Elements for Thyroid Hormone Synthesis and Metabolism. Int J Mol Sci 24(4): 3393.
    6. 6.Cadegiani FA, Kater CE (2016): Adrenal fatigue does not exist: a systematic review. BMC Endocr Disord 16: 48.

    Häufige Fragen

    Wie hängen Schilddrüse und Nebenniere zusammen?
    Beide gehören zum Stresssystem. Die Nebennieren stellen den Brennstoff bereit, die Schilddrüse sorgt dafür, dass er in den Zellen verbrannt wird. Sind die Nebennieren lange erschöpft, wird meist auch die Schilddrüse langsamer.
    Was sind Symptome einer Nebennierenschwäche?
    Anhaltende Müdigkeit, die auch Urlaub nicht behebt, niedriger Blutdruck, Unterzucker, Heißhunger auf Süßes, häufige Infekte und eine gedrückte Stimmung. Oft verschiebt sich auch der Tagesrhythmus: Morgens kommst du kaum aus dem Bett, abends kannst du nicht einschlafen.
    Warum habe ich Symptome einer Unterfunktion, obwohl meine Werte normal sind?
    Ein Bluttest zeigt, wie viel Hormon im Blut ist, nicht wie gut es in der Zelle wirkt. Außerdem bleibt das Blut lange stabil, während das Gewebe schon erschöpft ist. Auch eine gestörte Umwandlung von T4 in T3 kann eine Rolle spielen.
    Kann man eine Nebennierenschwäche testen?
    Cortisol im Blut oder Speichel schwankt stark und zeigt nur eine Momentaufnahme. Die Haarmineralanalyse zeigt über das Verhältnis von Natrium zu Magnesium, wie die Nebennieren über einen längeren Zeitraum arbeiten. Wird im Blut gemessen, ist es sinnvoll, DHEA und Cortisol gemeinsam zu betrachten, weil sie sich meist gegenläufig bewegen.
    Wie lange dauert es, bis sich die Nebennieren erholen?
    Oft ein Jahr oder länger. Wichtig sind Ruhe, die richtigen Grundstoffe und ein ausgeglichener Mineralhaushalt. Fasten und Eisbaden belasten erschöpfte Nebennieren dagegen zusätzlich.